„Warum müssen wir DAS alles beantworten, das ist doch für unser Geschäft gar nicht relevant?“ 🤨
Diese Frage höre ich fast jedes Mal, wenn Unternehmen ihren EcoVadis‑Fragebogen zum ersten Mal sehen.
Die kurze Antwort: wegen des Branchenrisikoprofils.
EcoVadis arbeitet nicht mit einem Einheitsfragebogen, sondern wählt aus 21 Kriterien die für euch relevanten aus. Die Fragen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Standorten. Ein produzierendes Unternehmen bringt andere Risiken mit als ein Dienstleister. Ein KMU andere Voraussetzungen als ein Konzern.
Das birgt einige Vorteile: Alle Unternehmen, mit denen ihr um eine Medaille wetteifert, unterliegen den gleichen Nachhaltigkeitskriterien wie ihr, das schafft Transparenz.
Und ihr seht sofort, in welchen Bereichen die meisten Punkte winken 👋EcoVadis findet, Beschaffung nach ökologischen und sozialen Kriterien ist für euch wichtig und ihr habt euch noch nie damit beschäftigt? Super! Schon habt ihr eure erste Maßnahme für eure Roadmap zu einem guten Score gefunden.
Wichtig ist dabei aber:
Das Branchenrisikoprofil ersetzt keine (doppelte) Wesentlichkeitsanalyse. Auch wenn es ein bisschen so funktioniert wie eine Branchen‑Wesentlichkeit, kann es die individuelle Situation eines Unternehmens nie vollständig abbilden.
Wenn man noch keine DWA gemacht hat (für volle Punktzahl – und ehrlich gesagt auch unabhängig davon: unbedingt nachholen), liefert das Risikoprofil immerhin gute Anhaltspunkte, wo sich der Fokus lohnt.
Was viele außerdem nicht wissen:
Wenn ihr euch von EcoVadis fachlich falsch eingeordnet fühlt, kann man das durchaus adressieren. Die Einstufung ist kein Naturgesetz, sondern diskutierbar.
Ich sehe oft, dass Unternehmen versuchen, alles gleichzeitig ein bisschen zu machen. Das kostet viel Energie und bringt selten gute Ergebnisse.
Wer stattdessen sein Risikoprofil bewusst nutzt und mit der eigenen Wesentlichkeit zusammendenkt, arbeitet fokussierter und meist auch effizienter.
Der Fragebogen ist also nicht kompliziert, um euch zu ärgern.
Er ist kompliziert, weil er versucht, eure Realität abzubilden.
Und genau deshalb lohnt es sich, ihn nicht einfach hinzunehmen, sondern aktiv zu nutzen.