Wie lange dauert so ein EcoVadis-Rating eigentlich?
Und wie viel Aufwand steckt dahinter?
Darauf gibt’s natürlich nur meine Lieblingsantwort:
👉 Kommt drauf an. 😉
Aber worauf genau?
Einerseits auf die Unternehmensgröße und Branche, andererseits auf die vorhandenen Strukturen.
Ein Unternehmen mit dokumentierten Prozessen, klaren Verantwortlichkeiten und einem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht hat’s natürlich leichter als eines, das bei null startet.
Bevor ihr überhaupt Dokumente hochladet, steht erstmal die erste Fleißarbeit an:
den Fragebogen verstehen, die Anforderungen ableiten – und dann klären, wer welche Informationen hat und wie sie aufbereitet werden müssen.
Erst dann kann die eigentliche Arbeit beginnen.
Dabei lohnt sich ein genauer Blick:
Einige Anforderungen lassen sich fast im Vorbeigehen erfüllen – etwa der Nachweis, dass Überstunden dokumentiert (das ist in Deutschland ohnehin gesetzlich geregelt) und kompensiert werden.
Andere Punkte wie Schulung der Beschäftigten zur Abfalltreduzierung und -trennung oder das Erstellen einer Treibhausgasbilanz mit Scope 3 sind dagegen eher echte Entscheidungen:
Wollen wir das wirklich umsetzen – und wenn ja, wie? Hier solltet ihr immer bedenken, dass EcoVadis nicht jede Antwort mit gleich vielen Punkten bewertet – besonders in der Erstbewertung konzentrieren wir uns auf das, was viele Punkte bringt und/oder mit wenig Aufwand zu erfüllen ist („low hanging fruits“).
Realistisch betrachtet braucht ihr als kleines oder mittleres für die erste Bewertung:
- 2–3 Monate, wenn ihr euch parallel noch orientiert und Dokumente aufbereitet
- ca. 40–80 Stunden Aufwand, verteilt auf mehrere Rollen (Achtung, bei großen Unternehmen mit Ambitionen können gut hunderte Stunden zusammenkommen)
- und gute Nerven, wenn das Dokumentenlimit (55!) euch zwingt, wirklich zu priorisieren
Das Wichtigste ist nicht, dass alles perfekt ist, sondern von Anfang an die richtigen Personen einzubeziehen und im Gespräch zu bleiben. Ich habe in der Praxis noch nie erlebt, dass wir aus dem Fragebogen eine Liste an Dokumenten erstellen konnten und diese Nachweise dann direkt gepasst haben (EcoVadis bietet euch hunderte Möglichkeiten, den Fragebogen auszufüllen, anfangs entsteht also eine Menge Sortierarbeit) – man dreht immer mehrere Schleifen, weil immer wieder aus dem ersten „na klar, das haben wir geregelt“ ein „ups, wohl doch nicht“ wird. Zusätzlich hat EcoVadis mit dem Branchenrisikoprofil die winzige Hürde eingebaut, dass ihr euch ggf. mit komplett neuen Themenbereichen beschäftigen müsst – ihr könntet z. B. im Rahmen einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse zu dem Ergebnis gekommen sein, dass Wasser für euer Unternehmen kein wesentliches Thema ist und ihr deshalb keine Richtlinien, Ziele und Maßnahmen erarbeitet habt. Je nach Branche ist das EcoVadis aber egal und euch entgehen Punkte, wenn ihr hier nichts nachweisen könnt.
Erfahrungsgemäß sind die oben erwähnten „richtigen“ Personen:
- jemand aus dem Qualitäts- oder Umweltmanagement,
- jemand aus der Personalabteilung,
- jemand aus dem Einkauf und Controlling,
- Rollen wie Arbeitssicherheits-, Datenschutz-, IT- oder Complianceverantwortliche
- und eine Person, die das große Ganze im Blick behält – meist Nachhaltigkeit, Strategie oder Geschäftsführung.
Das kann in eurem Unternehmen natürlich etwas anders aussehen.
Viele Unternehmen unterschätzen den Abstimmungsaufwand zwischen diesen Bereichen – und genau da entsteht am meisten Stress.
Wenn ihr von Anfang an klare Zuständigkeiten, realistische Zeitfenster und eine gute Struktur habt, spart ihr euch doppelte Arbeit und graue Haare.
EcoVadis ist kein Sprint, sondern eher ein (ziemlich administrativer) Marathon mit Stolpersteinen – aber einer, der sich mit etwas Planung sehr gut laufen lässt. 🏃♀️💨