Ihr habt euch durch den Fragebogen gearbeitet, Dokumente sortiert und hochgeladen (das Hochladen und Verknüpfen ist beim ersten Mal ziemlich viel Arbeit, für die ihr genug Zeit einplanen solltet). Danach kommt automatisch die nächste Frage, über die vorab erstaunlich wenig gesprochen wird: Welches EcoVadis-Preismodell brauchen wir eigentlich?
Die kurze Antwort aus der KMU-Perspektive lautet: meistens nicht das teuerste 🙃
EcoVadis bietet vier Modelle an: Basic, Premium, Select und Corporate. Für Unternehmen, die gerade erst starten oder EcoVadis primär wegen einer Kundenanfrage machen, sind realistisch betrachtet vor allem Basic und Premium relevant.
Basic ist der günstigste Einstieg. Wird euer Unternehmen als mittelgroß eingestuft, kostet die Lizenz aktuell 1179 Euro jährlich, um mal eine Zahl in den Raum zu werfen. Die Scorecard kann hier nur innerhalb des EcoVadis-Netzwerks geteilt werden, also ausschließlich mit Unternehmen, die selbst EcoVadis nutzen. Das Modell lohnt sich vor allem dann, wenn ihr zum ersten Mal bewertet werdet, noch nicht wisst, wie gut das Ergebnis ausfällt, oder wenn ein einzelner Großkunde die Bewertung angefragt hat und sonst niemand.
Premium ist für die meisten KMU der sinnvollste Standard. Für unser mittelgroße Unternehmen aus dem vorigen Absatz kommen Lizenzgebühren von 1949 Euro zustande. Erst hier könnt ihr eure Scorecard auch außerhalb des EcoVadis-Netzwerks teilen – zum Beispiel auf eurer Website, auf LinkedIn, in Präsentationen oder in der E-Mail-Signatur. Sobald EcoVadis Teil eurer externen Kommunikation werden soll oder ihr auch Kundinnen und Kunden ohne EcoVadis-Zugang erreichen wollt, führt an Premium kein Weg vorbei.
In der Praxis starte ich mit meinen Kunden bei den allermeisten Erstbewertungen bei Basic und wir upgraden, nachdem die Scorecard da ist. Denn: Beim Upgrade zahlt ihr nur die Preisdifferenz und auch nur ab dem Zeitpunkt, ab dem ihr tatsächlich teilt. Ihr könnt also problemlos mit Basic starten, euch das Ergebnis in Ruhe anschauen und erst Wochen oder Monate später auf Premium wechseln. Bezahlt wird dann auch nur für diesen Zeitraum.
Select und Corporate richten sich vor allem an größere Unternehmen, die nicht nur selbst bewertet werden, sondern aktiv ihre Lieferkette bewerten wollen (hier ist der Preissprung mit 5449 Euro auch deutlich knackiger💸 ). Der Kernunterschied liegt weniger in der Scorecard, sondern in der Anzahl der Geschäftspartner, die ihr monitoren könnt, sowie in zusätzlichen Support- und Schulungsfunktionen. Für die meisten KMU spielt das im Alltag keine entscheidende Rolle.
Startet also strategisch statt ehrgeizig, verschafft euch zuerst einen Überblick und entscheidet dann, wie sichtbar ihr sein wollt. Für eurer allererstes Scoring Basic zu wählen ist kein Zeichen von Zurückhaltung, sondern ein Zeichen dafür, dass ihr das System verstanden habt 😉