EcoVadis erklärt: Rating oder Reporting? So unterscheiden sich Scorecard und Nachhaltigkeitsbericht
EcoVadis erklärt: Rating oder Reporting? So unterscheiden sich Scorecard und Nachhaltigkeitsbericht

EcoVadis erklärt: Rating oder Reporting? So unterscheiden sich Scorecard und Nachhaltigkeitsbericht

Zum Einstieg in die Reihe fangen wir ganz locker an: Was ist eigentlich EcoVadis – und wie unterscheidet es sich von gängigen Nachhaltigkeits-Reporting-Standards wie z. B. dem VSME?

EcoVadis ist ein Rating-System. Hier werden Nachhaltigkeitsbemühungen bewertet. EcoVadis prüft die eingereichten Nachweise: Ist die Policy vollständig? Gibt es belastbare Kennzahlen? Am Ende steht eine Note, also ein Score – und je nach Ergebnis eine Medaille. Das Ganze ist klar auf externe Kommunikation ausgelegt – und kostet Geld.

Der VSME (Voluntary Sustainability Reporting for SME) funktioniert anders: Hier geht es nicht um Bewertung, sondern um Transparenz. Unternehmen beschreiben ihre Ziele und Maßnahmen – und erhalten anschließend einen Bericht, aber keine Note. Dieser Bericht zeigt auf, wo das Unternehmen aktuell steht und wohin es sich entwickeln will. Er kann extern geprüft werden, muss es aber nicht. Und: Der Standard ist kostenfrei zugänglich, inklusive digitaler Tools wie dem des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK).

Vom Aufbau her unterscheiden sich die Systeme ebenfalls: EcoVadis arbeitet mit vier Bereichen und 21 Nachhaltigkeitsthemen. Der VSME orientiert sich an den ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) – und darin wiederum an den zehn thematischen Standards der ESRS.

Für große Unternehmen ist EcoVadis also praktischer, weil sie direkt eine Bewertung ihrer Lieferanten erhalten – hübsch zusammengefasst in einer Note (mit Medaille!) und auf Wunsch genauer aufgeschlüsselt. Im Vergleich dazu ist der VSME-Bericht viel mehr Lesearbeit.

Ist Nachhaltigkeitsberichterstattung damit überflüssig? Auf keinen Fall, denn spannend wird’s dort, wo sich die beiden Systeme ergänzen: Wer bei EcoVadis eine gute Bewertung anstrebt, sollte unbedingt seinen Nachhaltigkeitsbericht hochladen. Ein zentrales Qualitätskriterium ist nämlich, dass der Bericht einem Standard entspricht und mindestens drei Jahre abdeckt. Wer also z. B. nach dem VSME berichtet, kann damit sein EcoVadis-Rating deutlich verbessern.

EcoVadis geht allerdings in einigen Punkten über den VSME hinaus – etwa mit der Wesentlichkeitsanalyse. Die hilft, Prioritäten zu setzen, ist aber im VSME nicht vorgesehen. Das senkt die Einstiegshürde – verhindert aber oft, dass Unternehmen diesen Schritt wirklich machen. Bestnoten bei EcoVadis gibt’s damit nicht – dort ist sie Pflicht.

Das Ironische daran: EcoVadis nimmt Unternehmen die Wesentlichkeitsanalyse im Grunde gleich selbst ab – durch das sogenannte Branchenrisikoprofil. Damit steht schon vorher fest, welche Nachhaltigkeitsthemen „relevant“ sind – allerdings nicht auf euer Unternehmen bezogen, sondern auf die Branche insgesamt. Und weil diese Themen dann zwingend abgedeckt werden müssen, verliert die eigene Analyse ein bisschen ihren Sinn.

Man könnte also sagen: EcoVadis fordert Eigenständigkeit – aber bitte nach Vorlage 😉